Leben

Rudolf Maison (1854–1904)
Als Rudolf Maison mit nur 49 Jahren unerwartet verstarb, ging ein bewegtes Leben zu Ende. Die Aussage im Nachruf der Leipziger Illustrierten Zeitung vom 18. Februar 1904, dass Maison „in der Geschichte der Plastik des neunzehnten Jahrhunderts seinen festen Platz behaupten“ wird, bewahrheitete sich nicht, obwohl er zu den bedeutendsten Bildhauern seiner Epoche zählte. Erst jetzt, im Jahr 2016, über 100 Jahre später, erfahren Person und Werk durch eine Ausstellung im Historischen Museum Regensburg sowie einem umfassenden, reich bebilderten Begleitband endlich und erstmalig ihre angemessene Würdigung.

Wichtige Stationen im Leben von Rudolf Maison

1854
Am 29. Juli erblickt Rudolf Friedrich Maison als Sohn des Schreinermeisters Karl Friedrich Maison (1826 – 1904) und der Steinweger Braumeisterstochter Anna Ursula Reisinger (*1815) in Steinweg bei Regensburg das Licht der Welt.

1866/67
In Regensburg beginnt Rudolfs schulische und berufliche Ausbildung. Nach der Volksschule besucht er die Kreisgewerbeschule, die er aber ohne Abschluss verlässt. Nebenher beginnt er die Ausbildung zum Schreiner, vermutlich beim Vater.

1868
Rudolf kehrt mit seinem Vater von Regensburg nach München zurück. Dort ist sein Großvater, der gebürtige Franzose Friedrich Maison, ebenfalls Schreiner und Bildschnitzer, in Neuhausen ansässig.

1877
Ab April studiert Maison Architektur am Polytechnikum. Zuvor besuchte er als außerordentlicher Schüler Modellierkurse an der Königlichen Industrieschule. Mangels der finanziellen Mittel muss er das Studium abbrechen. Seinen Lebensunterhalt bestreitet er in der Folgezeit unter anderem als Privatlehrer, Zeichner sowie Modelleur in der Industrie. Um seinen Traum – „Schon als ganz junger Bub war mein Bestreben, Künstler zu werden.“– zu verwirklichen, eignet er sich autodidaktisch Kenntnisse der Bildhauerei an.

1879
Eröffnung eines Ateliers für dekorative Arbeiten, architektonische Entwürfe, Modellierungen und Porträts in München.

1881
Am 29. August 1881 heiratet Maison die Privatierstochter Emma Teichtler. Ihr Vermögen bietet ihm die Möglichkeit, größere Projekte, etwa Wettbewerbsentwürfe, und auch freie Arbeiten ohne konkreten Auftrag auszuführen. Die neugewonnene Unabhängigkeit nutzt er für stilistische und technische Experimente.

1882
Am 21. Mai wird der uneheliche Sohn Rudolf Karl geboren. Mutter ist die Ökonomstochter und Kleidermacherin Magdalena Mayr (1859–1935).

1883
Tod des Sohnes Rudolf von Ehefrau Emma am Tag seiner Geburt, dem 23. April.

1889
Der außereheliche Sohn Rudolf erhält auf königlichen Beschluss den Namen Maison.

1887
Ernennung zum Ehrenphilister des Corps Transrhenania. Mensuren finden sogar in Maisons Atelier statt.
Ein Jahr lang ist Maison unter dem Pseudonym „Pygmalion der Gypserne“ Teil der Schlaraffia Monachia. Diese Gemeinschaft folgt dem Leitspruch „In arte voluptas“ (In der Kunst liegt Vergnügen).

1890
Anmietung eines Ateliers in der Theresienstraße in München inmitten einer Malerkolonie, wo er auf seinen späteren Freund Franz Stuck trifft. Gründungsmitglied und Teil des Vorstandes der Gesellschaft für modernes Leben.

1891
Prinzregent Luitpold verleiht ihm den Titel des königlich bayerischen Professors.

Rudolf-Maison-Leben

1892
Maison ist unter den ersten 96 Künstlern, die sich aufgrund der konservativen Haltung von der staatlich organisierten Münchner Künstlergenossenschaft abspalten und die Münchner Secession (Verein Bildender Künstler Münchens A.V.) begründen.

1894
Erstveröffentlichung seines knapp 120 Seiten umfassenden Handbuches Anleitung zur Bildhauerei für den kunstliebenden Laien. In diesem hält Maison die Erkenntnisse und Ergebnisse des eigenen Lern- und Entwicklungsprozesses sowie die Grundsätzliches seiner Kunstauffassung fest.

1895
Ernennung zum Ehrenmitglied der Königlichen Akademie der Künste Berlin. Später wird er auch Ehrenmitglied der Akademie der bildenden Künste in München sowie der Wiener Künstlergenossenschaft.

1898
Umzug in das Eigenheim in der in der Pündterstraße, nachmalig Tizianstraße, in München-Gern. Auch hier wählt Maison ein entsprechendes kulturelles und kreatives Umfeld, eine Reihenhaussiedlung, mit teilweise angegliederten Ateliers, die bezahlbaren Wohnraum für Künstler aller Art, Literaten und Intellektuelle bietet.

1901
Verleihung des „Königlichen Verdienstorden vom heiligen Michael IV. Klasse“ durch Prinzregent Luitpold.

1904
Nach der Notoperation eines Magengeschwüres stirbt Rudolf Maison in der Nacht des 12. Februars in der Diakonissenanstalt München mit nur 49 Jahren, keine zwei Wochen nach seinem Vater.