Rudolf-Maison-Atelier
Rudolf Maison in seinem Atelier in München-Gern, Tizianstraße 16, von links nach rechts: 1. Karyatide/Atlas, 2. Neger auf einem Esel reitend, 3. Büste, 4. Knabe mit Gans, 5.(dahinter): Ein reitender Landsknecht für Bremen, 6. Reiterstandbild Friedrich III, Deutscher Kaiser für das Kaiser-Friedrich-Museum, 7. Wotan auf dem Rabenthron (große Fassung) für Hermann Hendrichs Sagenhalle in Schreiberhau – Fotografie: Carl Teufel, Quelle: Wikipedia

Wirken

Das Fehlen der akademischen Laufbahn haftete ihm beinahe zeitlebens als Makel an, den er durch umso größere Perfektion in der Arbeit auszugleichen suchte. So verwundert es auch nicht, dass es kaum Hinweise auf prägende Künstlerpersönlichkeiten gibt. Von seinem Vater, einem Schreiner, erbte Rudolf wohl das handwerkliche Geschick und fand in ihm seinen ersten Lehrer. Der Vater stand ihm mit seinem Können auch zeitlebens in dessen Werkstatt bei. Der Vorstellung des Lehrers und auch künstlerischen Vorbilds kommt wohl Johann von Halbig am nächsten, der sowohl an der Königlichen Industrieschule, als auch am Polytechnikum sein Dozent war.

Ohne ein gewisses Netzwerk war damals wie heute eine stabile Auftragslage kaum zu gewährleisten. Besonders im Falle Maisons war dies essentiell, denn wie hätte er sich sonst, ohne einschlägige Ausbildung, im etablierten Kunstbetrieb behaupten können. Insbesondere Kontakte aus der Kulturszene waren von großer Bedeutung. So kam es auch, dass Maison mit der Avantgarde seiner Zeit, mit Literaten, Malern, Künstlern und Vordenkern, verkehrte. Nachweislich war er mit den Malern Franz Stuck, Julius Adam, Backmund und Karl Raupp befreundet sowie mit den Literaten Eugen Croissant und Johann Michael Conrad. Mit der Zeit fand Maison auch Eingang in die höhere Gesellschaft, was zahlreiche Porträtbüsten berühmter lokaler und überregionaler Persönlichkeiten belegen.

Aufträge erhielt Maison fast immer per direkter Vergabe. Bereits früh begann er aber auch, sich dem künstlerischen Wettstreit zu stellen – trotz wiederholter Niederlagen tat er dies bis an sein Lebensende. Gelegenheit zur Teilnahme an Wettbewerben gab es im Wilhelminischen Kaiserreich mehr als genug. Die Denkmälermanie der Zeit ist legendär; für den Großteil der zu den unterschiedlichsten Zwecken und Anlässen – meist jedoch mit einem wie auch immer gearteten Bezug zum Kaiserreich oder dessen Begründer – errichteten Erinnerungsmonumente wurden Künstlerkonkurrenzen veranstaltet. Die Bilanz aus über 15 Jahren Wettbewerbsbeteiligung und in etwa ebenso vielen Beiträgen fällt mager aus: lediglich in einem Fall konnte er nicht nur den Sieg erringen, sondern seinen Entwurf auch tatsächlich an Ort und Stelle umsetzen – namentlich beim Teichmannbrunnen in Bremen. Und doch trugen die Beteiligungen nicht unwesentlich zur Erhöhung seines Bekanntheitsgrades bei – immerhin erstattete die Presse, insbesondere bei den größeren, auch lukrativeren Wettbewerben, oft ausführlich Bericht, der Name Maison wurde somit zusammen mit der A-Prominenz der zeitgenössischen Bildhauerei genannt: Reinhold Begas, Fritz Schaper, Wilhelm von Rümann oder Syrius Eberle.

Lokales, nationales und internationales Wirken

Einen wesentlichen Part seines Künstlerlebens nahm auch die Teilnahme an Ausstellungen ein. Maison war lokal, regional, national und sogar international vertreten. Regelmäßige Präsentationen steigerten sowohl den Bekanntheitsgrad als auch den Absatzmarkt. Am häufigsten nahm er an den Schauen im Münchner Glaspalast teil, das Forum schlechthin, nicht nur für die ortsansässigen Münchner Künstler. Höhepunkte seiner Ausstellungstätigkeit waren die Weltausstellungen 1893 in Chicago und 1900 in Paris. Seine in den USA gezeigten Werke, ein Eselreiter und ein Faunmädchen befinden sich noch heute zusammen mit der Figur eines Auguren von Maison in Guttenberg (Iowa). (www.kannimports.com)

In Kenntnis des Œuvres lässt sich eines mit Gewissheit sagen: Maison entzieht sich der einfachen Kategorisierung. Er war Naturalist, mit einer individuellen und pragmatischen Einstellung, der, so selbstverständlich er mit den Traditionen brach, sie bei Bedarf aber auch für sich in Anspruch nahm – nicht minder frei war sein Umgang mit den modernen Strömungen. Im Umgang mit den Arbeitsmaterialien und den Möglichkeiten, die sich ihm boten, erwies er sich als experimentierfreudiger Grenzgänger.